Ironman Frankfurt 2009 & Ironman Hawaii 2009 - Olaf Richters

Hawaii, ich komme!

Olaf Richters - 50 Jahre - Krankenpfleger

Ironman Frankfurt 2009
Gesamtzeit: 09:59
Schwimmen: 01:00 h - Radfahren: 05:07 h - Laufen: 03:43 h

Ironman Hawaii 2009
Gesamtzeit: 11:39
Schwimmen: 01:15 h - Radfahren: 05:59 h - Laufen: 04:!0 h

Bericht:

Meine sportliche Karriere begann recht spät. Erst mit vierzig Jahren lief ich meinen ersten Halbmarathon. Wirklich unsportlich bin ich nie gewesen, es fehlte mir in meinen frühen Jahren, was den Sport anbetraf, lediglich an Kontinuität und vielleicht auch ein wenig an Ehrgeiz. Als Heranwachsender spielte ich Fußball, später Tennis und gelegentlich Badminton. Das Joggen mit einem Kumpel fand nur unregelmäßig statt und diente mehr dem verbalen Austausch als der körperlichen Ertüchtigung. Regelmäßiger wurde mein Training erst als ich mit Mitte dreißig meine Freundin kennen lernte, die auch lief. Gemeinsam steigerten wir unser Pensum.
Nach dem Halbmarathon 1998 folgten mehrere Marathonläufe.

Meine Begeisterung für den Triathlonsport erwachte 2001 als Zuschauer bei den Triathlon German Open, die in meiner Heimatstadt Hannover stattfanden. Und so begannen, nachdem ich mir ein Buch über Triathlon gekauft hatte, die Vorbereitungen auf meinen ersten Volkstriathlon.

Danach startete ich bei zwei Mitteldistanzen. Mein Trainingsmaterial und meine Trainingsplanung wurden professioneller. Ich ließ das erste Mal eine Leistungsdiagnostik durchführen und mir, damals noch nicht von Katja, einen Trainingsplan erstellen. 2004 nahm ich an der ersten Langdistanz, dem Ironman Frankfurt, teil und finishte glücklich mit einer Zeit von 11:58. Ich war fasziniert von dem Gefühl, meine physischen und psychischen Grenzen überwinden zu können. Deshalb meldete ich mich wenige Monate später zum Ostseeman 2005 an. Auch diesen finishte ich. Mit einer Zeit von 11:06 wurde ich norddeutscher Meister der Altersklassen. Es war noch höchst vermessen, doch mit diesem für mich sehr zufriedenstellenden Ergebnis keimte das erstem Mal die Idee in mir, mich für die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizieren zu können. Mein nächster Start war also 2006 beim Kärnten Ironman. Mit einer Zeit von 10:27 verpasste ich die Hawaii- Quali um vierzig Minuten. Ich hatte auch nicht wirklich damit gerechnet, dass es funktionieren würde, aber ich hätte ja Glück haben können. 2007 startete ich, nun mit dem ernsthaften Ziel mich zu qualifizieren, wieder beim IM Frankfurt. Mit einer Zeit von 10:10 fehlten in der AK 45  zwölf Minuten für die Hawaii-Quali. 2008 liefen die Vorbereitungen für den IM Frankfurt super. Ich rannte meinen schnellsten Halbmarathon und legte eine super Mitteldistanz hin. Es kam, wie es kommen musste- drei Wochen vor dem vielversprechenden Rennen in Frankfurt wurde ich krank und konnte nicht starten. Meine Frustration über die verpasste Chance war schnell wieder verflogen und ich meldete mich für 2009 wieder für Frankfurt an. Aber etwas war mir bewusst geworden: Nach fünf Jahren Training für Langdistanzen brauchte ich eine neue Motivation. Ich hatte keine Lust mehr, ein weiteres Jahr nach den Trainingsplänen zu trainieren, die ich schon seit 2003 erhielt. Sie waren gut, keine Frage. Meine Leistung hatte sich mit diesen Plänen auf ein beachtliches Niveau gesteigert, aber ich brauchte einfach eine Abwechslung. Ich forschte im Internet und stieß auf Katjas Trainingsagentur. Im Herbst 2008 wurde sie meine Trainerin.

Katjas Trainingspläne unterschieden sich sehr von denen, die ich bis dahin erhalten hatte. Es machte mir Spaß, danach zu trainieren, denn sie waren sehr abwechslungsreich. Ich hatte das gute Gefühl, dass jeder Meter, den ich lief, radelte oder schwamm mit einem sinnvollen Inhalt gefüllt war. Außerdem gefiel mir die Rückmeldung, die ich auf meine ausgefüllten und zurückgeschickten Trainingspläne bekam. So etwas hatte ich vorher sehr vermisst. In der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung habe ich vielleicht ein oder zweimal gedacht. „Katja, was machst Du da mit mir?“ Aber schon, wenn ich nach der anstrengenden Trainingseinheit auf meinem Sofa lag, war ich froh darüber, so hart trainiert zu haben, denn ich hatte ja ein Ziel.

Ehe ich mich versah, war der Ironman Frankfurt 2009 da. Der Wettkampf war eine absolute Hitzeschlacht. Mir wurde schon auf dem Fahrrad übel und beim Laufen plagten mich dann noch zusätzlich Wadenkrämpfe. Den letzten Kilometer der Marathonstrecke lief ich nur noch einen Schnitt von über sechs Minuten. Mit einer Zeit von 09:59 kam ich völlig ausgelaugt ins Ziel. Damit war ich Zwölfter meiner AK, aber es gab nur sieben Plätze für Hawaii! Knapp daneben ist auch vorbei. Trotzdem ging ich am nächsten Tag zur Hawaii-slot-vergabe. Und siehe da, mit etwas Glück bekam ich den letzten Hawaii-slot der AK 50.

Nach dem Ironman Frankfurt war Ruhe angesagt. Katjas Antwort auf meine Frage nach neuen Trainingsplänen für Hawaii habe ich noch jetzt im Ohr: „Erst einmal nur Bewegen“, erdete sie ihren durch das tolle Ergebnis übermotivierten Schützling. So ließ ich, ihren Ratschlag befolgend, die ersten Wochen nach dem Ironman Frankfurt sehr locker angehen und ich tat gut daran, denn mein Körper und auch mein Kopf haben es mir im nachhinein mit einer neuerlich großartigen Leistung gedankt. Als das Training wieder etwas umfangreicher wurde, fühlte ich mich ein paar Tage wie eine Schlaftablette mit Betonpfeiler als Beine. Katja reagierte auf meine besorgten Bemerkungen im Trainingsprotokoll, das sein ganz normal. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis ich wieder spritziger wurde und meine Beine wieder Wumm bekamen. Ich hatte keine Motivationsprobleme, mich so kurz nach der Langdistanz in Frankfurt wieder voll ins Training zu stürzen. Das große Ziel aber auch  Katjas abwechselungsreiche Pläne machten es mir leicht. Ich fühlte mich Top in Form, als ich mich am 02.Oktober zusammen mit meiner Freundin auf den langen Weg nach Kona machte.

Ironman Hawaii 2009 - Olaf Richters auf der Radstrecke

Big Island

Schon, als wir uns dem Flugzeugausgang nähern, schlägt uns die feuchte Wärme Big Islands entgegen. Der Empfang mit Blumenkette und frischer Annanas durch Hannes Leute ist genau, wie ich mir das Ankommen auf Hawaii vorgestellt habe. Die Autofahrt vom Kona -Airpot zum Ali`i Drive, der Straße an der unser Hotel liegt, lässt meine Hochgefühle verfliegen. Wir fahren auf dem Highway entlang, auf dem ich mich eine Woche später hoffentlich radelnd und laufend durch die Lavafelder bewegen werde. Beim Anblick der breiten, nicht gerade einladend wirkenden Hauptverkehrsstraße und der öden Landschaft mit nichts außer dunklem Gestein und hin und wieder einem vertrockneten Grassbüschel wird mir mulmig. Habe ich mir zuviel vorgenommen? Meine Freundin beruhigte mich. „Da müssen doch Alle durch, die hier starten.“ OK, sie hat recht.

Doch schon die Laufeinheit am nächsten Tag macht mich wieder nachdenklich. Auf meinem Trainingsplan steht eine halbe Stunde Laufen im Grundlagenbereich. In weiser Voraussicht hat Katja eine kleine aufmunternde Bemerkung daneben geschrieben: „Es wird schrecklich sein... Du wirst Dich fragen: Wie soll ich hier jemals einen Marathon laufen“. Aber dass es wirklich so hart ist, glaube ich erst, als ich nach dreißig Minuten Laufen völlig fertig im Hotel ankomme. Ich versuche mir einzureden, dass diese Schwäche ganz normal ist, Katja hat es schließlich prophezeit. Ich habe noch einen Jetlag, außerdem muss ich mich erst einmal an die hohen Temperaturen gewöhnen. Aber ganz verfliegen meine Zweifel nicht.

Am nächsten Morgen nehme ich am offiziellen Ironman Schwimmtraining teil, was in der Wettkampfwoche ab 7.00 Uhr am Pier in Kailua Kona stattfindet. Dieses Spektakel, bei dem Du Seite an Seite mit den Großen Namen der Triathlonwelt in den Pazifik steigst, ein Stück der Wettkampfstrecke schwimmst, dabei Wasserschildkröten beobachten kannst und mitten im Pazifik von der coffee bar einen Kaffee nimmst, lenkt mich ab. Das Schwimmen im nicht gerade ruhigen Salzwasser bereitet mir, anders als manch anderem, keine Probleme. Ich bin zwar nicht schnell, aber ich werde nicht seekrank und ich vertrage das heruntergeschluckte Salzwasser. Das motiviert mich.

Meine Laufleistung leidet weiterhin unter den hohen Temperaturen. Ich habe Angst, mich beim Wettkampf aufgrund der Hitze zu übernehmen. Hatte ich ursprünglich gedacht, am Samstag bei Tageslicht ankommen zu können (7.00 Start, bis ca. 18.00 ist es hell), verabschiede ich mich von diesem Traum und bringe die Reflektoren, die in der Startunterlagentüte sind, an meiner Laufkleidung an. Ich definiere meine Ziele neu. Das Wichtigste ist mir das Finishen. Ein vorzeitiges Aufgeben kommt für mich nicht in Frage und kollabieren will ich auch nicht. Ich habe 17 Stunden Zeit, um ins Ziel zu kommen. Das sollte reichen. Also mache ich zusammen mit meiner Freundin  eine neue Rechnung auf: „Tu auf die Schwimmzeit von Frankfurt wegen Wellen und ohne Neo schwimmen 20 Minuten drauf, rechne beim Fahrradfahren nur mit einem 30ger Schnitt und beim Laufen nur mit einem 6 Minuten Tempo, aber das konstant. Das ist besser als ein 5:30 er Tempo am Anfang das dann später in einem 8 Minuten Tempo oder gar in einem DFN endet. Mit komplett Umziehen in ein luftigeres Laufoutfit und mit 1000mal pinkeln bist Du dann immer noch  bei.........unter 12 Stunden. Das ist doch gut! Außerdem willst Du den Wettkampf doch auch etwas genießen. Wer weiß, ob Du noch einmal hierher kommst?“ Meine Freundin ist sehr daran interessiert, dass ich beim Ironman Hawaii die Ziellinie erreiche, damit ich das Thema erst einmal ad acta lege. Sie ahnt, dass, wenn ich nicht finishe, ich gleich im nächsten oder übernächsten Jahr erneut versuchen könnte, mich für die Ironman Weltmeisterschaft zu qualifizieren und das bedeutet wieder sehr viel Training und wenig Zeit für andere Dinge. Aber sie hat trotzdem recht. Eine Zeit von unter 12 Stunden wäre wirklich ein Ergebnis, mit dem ich zufrieden sein könnte. Auch Katja, die sich per mail nach meinem Befinden erkundigt, bestärkte mich in meiner neuen Denkweise. „Endlich bist Du zur Vernunft gekommen!“

Da mein Trainingsplan für die Wettkampfwoche recht überschaubar ist, haben meine Freundin und ich Zeit, die Schönheit Big Islands kennen zu lernen. Wir mieten uns ein Auto, mit dem wir quasi die ganze Insel umrunden. Neben Lavafeldern gibt es Regenwald, Wasserfälle und aktive Vulkane. Es tut mir gut, ein paar Stunden nicht in Kona zu sein. So schön die Bucht von Kailua Kona auch ist, so legendär der Ali`i Drive, so hübsch die Wasserschildkröten die am white sands beach in der Brandung surfen, alles in Kona erinnert eine Woche vor dem Wettkampf an den Mythos „Ironman Hawaii“ und trägt nicht gerade dazu bei, meinen nervösen Geist zu beruhigen. Der Ali´i drive wird zur Lauf- und Fahrradrennstrecke, bei ca. km 7 gibt es zwei Verpflegungsstände, an denen sich jeder, ob nun Starter oder nicht, kostenlos Getränke und Geels nehmen kann. Am Pier werden Badekappen, T-Shirts und Getränke ausgeteilt und auf dem Highway weisen Schilder die Autofahrer darauf hin, dass hier „athlets in training“ sind. Im Java Lava Kaffee stehen Triathleten für einen Kona Kaffee Schlange, um es mit wenigen Worten auszudrücken: Die Stimmung in Kona ist ein Gemisch aus Vorfreude, Angst und Hoffnung. Ich bin überrascht von dem gegenseitigen Respekt, mit dem die Athleten, die ich kennen lerne, einander begegnen und auch von der Ehrlichkeit, mit der sie über ihre Ängste vor dem großen Rennen sprechen. Angeberei ist hier fehl am Platz, hier muss Niemand dem andern etwas beweisen.

Endlich geht es los ...

Eigentlich rasen die wenigen Tage vor dem Rennen nur so dahin. Am Mittwoch Abholen der Startunterlagen, am Freitag Fahrrad und Wechselbeutel in die Wechselzone bringen und schon klingelte am Samstag morgen um 3.00 Uhr der Wecker. Die sieben Scheiben Weißbrot mit dünn Margarine und Honig rutschen etwas schlecht und werden mit einer halben Flasche Iso heruntergespült. Nerver change a winning team. Um 5.00 Uhr holt uns ein von Hannes organisierter shuttel, ein gelber amerikanischer Schulbus, ab. Habe ich auch alles? Zeitnahmechip, Schwimmsachen, Toilettenpapier?
Der Bus füllt sich von Stop zu Stop mit mehr aufgeregten Triathleten. Und dann ist die Busfahrt vorbei, alle steigen aus und legen den letzten Kilometer Richtung Pier per pedes zurück. An der Piermauer trennen meine Freundin und ich uns, denn es sind morgens um 5.30 Uhr nur noch wenige der begehrten Plätze auf der Mauer frei. Sie wünscht mit viel Glück, umarmt und küsst mich noch einmal. Dann gehe ich zusammen mit Hunderten von anderen Athleten und Athletinnen Richtung Wechselzone.

Wie immer gehe ich, nachdem ich meine Vorbereitungen abgeschlossen habe, in der Wechselzone umher, schaue mir dies und das an, z.B. wie die andern ihren Wechselplatz einrichten, welches Material sie benutzen, aber auch ob ich ein bekanntes Gesicht aus Hannover sehe, denn ich würde Sandra Wallenhorst und Jan Raphael, die auch aus dem Verein kommen, in dem ich trainiere, gerne viel Glück wünschen. Dann wird es Zeit, den Schwimmanzug anzuziehen und mich am Ende der Menschenwalze, die sich zum Schwimmeinstieg bewegt, dem nassen Element zu nähern. Die Profis reihen sich bereits hinter der Leine im Wasser auf, ihr Start ist eine Viertelstunde früher als der der Altersklassenathleten. Die ersten AK-Athleten beginnen sich einzuschwimmen, dann fällt der Startschuss für die Profiathleten. Das Wasser beginnt zu brodeln. Die Schwimmer entfernen sich schnell. Die ersten AK- Athleten schwimmen bereits zur Startleine, ich schwimme mich noch ein wenig ein. Ich will noch nicht wirklich an die Startlinie. Doch dann wird es Zeit. Ich ordne mich ganz links ein, eine Position, die die guten Schwimmer meiden, da es nicht der kürzeste Weg ist und die von den schlechteren Schwimmern bevorzugt wird, mit der Hoffnung, der größten Prügelei aus dem Wege zu gehen. „Ganz ruhig Olaf! Stell Dir einfach vor, es ist nur ein normales Schwimmtraining“, versuche ich mir selbst Mut zu machen. Aber es hilft nichts. Meine Herz rast.

Dann fällt der Startschuss und trotz der Ausgangsposition wird es ein heftige Prügelei. Aber ich kann mich durchsetzen. Erst nach mehreren hundert Metern schwimme ich einigermaßen frei. Langsam find ich meinen Rhythmus und eine Gruppe, die mein Tempo schwimmt. Das Wasser ist aufgewühlt, man kann nicht wirklich viel sehen und nur an der Dunkelheit unter einem erahnen, dass das Wasser immer tiefer wird. Plötzlich erscheint unter mir eine dunkle Gestalt. Ich erschrecke mich, dann erkenne ich, dass es sich um einen Taucher handelt. „Sicherheitsmaßnahme oder Kameramann“, denke ich. Dann ist irgendwann der Wendepunkt da. Auf dem Rückweg heißt es gegen die Strömung anschwimmen und am Ende, kurz vor dem Schwimmausstieg wird es noch einmal richtig eng. Beim Wechseln lasse ich mir Zeit. Und dann sitze ich auf dem Rad. Die ersten Kilometer Richtung Hawi habe ich Rückenwind. Ich versuche mich an meine Renntaktik zu halten und lasse mich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ich muss insgesamt sieben Mal pinkeln, lehne mein Fahrrad dazu jedes mal ans Dixiklo und benutze schön brav das bestimmt 50° warme Stille Örtchen. Laut Wettkampfregeln darf man nicht in die Lavawüste pinkeln. Wenn ein Wettkamprichter das sieht, kann man disqualifiziert werden. Das viele meiner Mitstreiter sich daran halten, bezweifele ich. Die Dixiklos sind immer frei für mich. Noch vor Hawi dreht der Wind. Und als ich auf dem Rückweg bin, kommt er kurz von hinten und dann schon wieder von vorne. Je mehr ich mich Kona und damit das zweite mal der Wechselzone nähere, desto besser fühlen sich meine Beine an. Ich überhole den ein oder anderen Athleten, der am Anfang der Radstrecke an mir vorbeigerauscht ist und nun jämmerlich eingeht. So schlecht das für meine armen Leidensgenossen ist, mich motiviert es. Schon, als ich vom Fahrrad steige, weis ich, dass ich es schaffen werde. Ich habe gerade einmal 7:30 Stunden von den 17 Stunden, die mir zur Verfügung stehen, verbraucht. Selbst, wenn ich den Marathon komplett gehen muss, kann ich es schaffen.

Ironman Hawaii 2009 - Olaf Richters beim Zieleinlauf

Für den zweiten Wechsel lasse ich mir noch mehr Zeit, als für den ersten. Ich ziehe meinen Einteiler aus und ein leichtes Lauftop und Laufshorts an. Ich verspreche mir davon mehr Luftzirkulation und mehr Kühlung für meine Haut (wenn man bei 35° im Schatten überhaupt von Kühlung reden kann). Den Wechsel zögere ich ein wenig hinaus und gehe noch einmal aufs Dixiklo, denn ich habe großen Respekt vor der Laufstrecke. Aber irgendwann muss ich ja hinaus. Ich halte mich an meine Renntaktik, ca. 6 Minuten pro Kilometer und nehme jeden Verpflegungsstand mit. Wann immer es möglich ist, versuche ich meinen Körper zu kühlen. Ich schütte Kaltes in mich rein und über mich rüber. Die Helfer stehen mit großen Kannen gefüllt mit Eiswasser am Rand und kippen es einem, wenn man es wünscht, über den Kopf oder den Körper. Die Kühlung tut gut, doch die Blasen, die ich mir in total durchnässten Schuhen laufe, schmerzen ganz schön. Keinen Moment des Rennens denke ich: „Warum machst du das hier eigentlich, dich hier in deinem Jahresurlaub so quälen und dafür auch noch viel Geld ausgeben.“ Für solche Gedanken geht es mir nicht schlecht genug. Ich will nicht behaupten, dass ich das Rennen jede Minute genieße, aber phasenweise ist es so. Ich versuche, Momente sehr bewusst zu erleben und mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen: „Hey, du bist hier dabei, den Ironman Hawaii zu finishen.“ Das Schild „caution, athlets in pain“, das in der Lavawüste auf dem Highway steht und über das ich schmunzeln muss, oder der Spruch einer Helferin am Verpflegungsstand auf der Radstrecke: „Der bremst sogar für ´ne Cola“, werde ich wohl nie vergessen. Das Gefühl beim Erreichen der Ziellinie nach 11: 40 ist schon besonders. Die Menge jubelt mir zu und der Moderator nennt meinen Namen. Auch hinter der Ziellinie versichert mir jeder der vielen Helfer, die mir begegnen, aufrichtig: „Good job.“

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