Datev Challenge Roth 2015 - Andrea Binder

Andrea Binder - 36 Jahre - Architektin
Gesamtzeit: 12:23:26
Schwimmen: 01:15:41 - Radfahren: 06:27:54 - Laufen: 4:32:00

Bericht:

2015 – Die Revanche steht an! Nachdem ich in 2014 kaum glauben konnte, entgegen aller Widrigkeiten tatsächlich meine erste Langdistanz zu finishen, sind nun die Erwartungen groß! Selbstverständlich möchte ich meine Zeit vom Vorjahr unterbieten – maßgeblich unterbieten selbstverständlich! Gleichzeitig ist da die große Angst – was, wenn mein Körper wieder nicht mitspielt? Wird mein Knie, das sich in 2014 mit Meniskusriss als meine Achillesferse gezeigt hat, diesmal durchhalten?

Andrea Binder als glücklicher Finisher des Datev Challenge Roth 2015

Erneut zelten wir direkt am Schwimmstart – trotz meiner Nervosität möchte ich so viel von der Stimmung rund um den Wettkampf mitbekommen wie möglich. Nicht nur ich werde in diesem Jahr starten, auch mein Mann Thomas wird in diesem Jahr wieder selbst an den Start gehen. Nachdem der Bike-Checkin am Vortag erledigt ist, genießen wir die Wettkampfatmosphäre und treffen noch letzte Vorbereitungen: Ein letzter Check der Wechselbeutel, Vorbereitung der Malto-Dextrin-Flaschen für die Räder, natürlich exakt nach Vorgaben von Coach Katja. Nach einem halben Glas Rotwein am Vorabend geht es recht früh ins Bett – eigentlich hatte ich ja so meine Probleme damit, am Vortag des Wettkampfes Alkohol zu trinken. Nachdem ich das aber auf Mitstreiter Jürgens Rat hin im letzten Jahr ausprobiert habe, hatte ich so gut geschlafen wie noch, nie vor einem Wettkampf. Mittlerweile hat sich das daher zur festen Wettkampfpraxis entwickelt – danke, Jürgen!

Frühmorgens um 4:00 Uhr geht es am nächsten Tag dann los… Während um uns das Lager zum Leben erwacht und sich die anfahrenden Autos der Starter und Zuschauer, die anderswo übernachtet haben, mehren, sitzen wir bei Kaffee und Toastbrot im Kerzenschein vor dem Wohnmobil und frühstücken. Die Aufregung steigt, über Lautsprecher ist nun vom Schwimmstart der Challenge-Song zu hören. Ich realisiere: Gleich geht es los!

Anders als im letzten Jahr haben wir in diesem Jahr zahlreichen, und vor allem professionellen Support dabei: Neben meinen Eltern und meinen Kindern Sarah und David sind Karla, Stefan, Klausii, selbst mehrfacher Ironman-Finisher dabei. Besonders freue ich mich darüber, dass Coach Katja sich extra die Zeit genommen hat, gemeinsam mit ihren Kindern angereist ist und seit gestern nebenan zeltet, mir mit Rat und Tat zur Seite steht, und vor allem psychologisch eine große Stütze darstellt. Den Spruch „Oh! Mit dem Rad willst du wirklich 180 km im Wettkampf fahren?!“ angesichts meines stinknormalen Rennrades (immerhin mit Aero-Aufsatz!) hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber was soll´s. Kritische Bemerkungen haben mich schon immer zu Höchstleistungen motiviert, ganz nach dem Motto „Jetzt erst recht“!

Die Begleitmannschaft entlang der Strecke sorgt für moralische Unterstützung

Während der Rest der „Mannschaft“ so langsam aus den Zelten kriecht (angeblich hätte man bereits seit längerem wegen unserer knarzender Luftmatratzen ohnehin nicht mehr schlafen können…!), mache ich mich gemeinsam mit Thomas bereits auf den Weg zu Wechselzone und Schwimmstart, die letzten Handgriffe am Rad erledigen. Der Rest der Mannschaft wird erst später nachkommen.

Gestartet wird in Wellen, die Altersklassen-Damen sind fast als Erste, unmittelbar nach den Profis, dran. Thomas wird erst ca. 45 Minuten nach mir ins Wasser gehen. Da wir ungefähr gleich schnell schwimmen, hoffe ich, Thomas erst später auf dem Rad wieder zu begegnen – im Radfahren ist Thomas mir klar überlegen. Nachdem ich mich im letzten Jahr gleich zwei Mal in die Ausbuchtung kurz nach dem Start „verschwommen“ habe – sch.. Rechtsdrall aber auch, klappt die erste Disziplin in diesem Jahr hervorragend und ich erreiche nach einer – für mich hervorragenden – Zeit von 1:15 h den Schwimmausstieg, wo mich hochmotivierte Helfer dabei unterstützen, von der Horizontalen wieder zurück in die Vertikale zu wechseln. Ich sprinte durch das Zelt, Neo runter, und ab aufs Rad. Auf die Radstrecke freue ich mich diesmal richtig, ich bin ob meiner Schwimmzeit so richtig motiviert.

Bereits auf der ersten Radrunde habe ich allerdings mit Magenschmerzen zu kämpfen, trotzdem versuche ich, regelmäßig Nahrung und Flüssigkeit nachzutanken. Dass mein gesamtes Support-Team, aufgeteilt auf mehrere Stellen, immer wieder an der Strecke steht, sorgt für ordentlich Unterstützung, nicht nur, weil ich mich freue, bekannte Gesichter zu sehen, sondern auch, weil ich mir vor Katja keinesfalls die Blöße geben will, irgendwo entlang der Strecke beim „Schwächeln“ erwischt zu werden. Ohne „Mimimi“ erreiche ich dann den Solarer Berg – und wieder ist hier einfach nur der Wahnsinn! Großartig, dass wir Frauen so früh starten, denn die Tausende Zuschauer warten noch auf die zweite Runde der Profis, so dass hier derzeit noch so richtig die Hölle los ist, der Hexenkessel brodelt! Mein Dauergrinsen dürfte nun wohl mindestens bis zur Wechselzone festgefroren sein!

Einfach nur der Wahnsinn - das Gefühl beim Zieleinlauf des Datev Challenge Roth

Die zweite Radrunde zieht sich dann ganz schön hin, zumindest werden die Magenschmerzen aber nicht schlimmer. Radtechnisch bin ich diesmal langsamer als im letzten Jahr, das ärgert mich schon etwas, zumal angesichts meiner guten Schwimmzeit. Trotzdem erreiche ich halbwegs motiviert die Wechselzone bei Roth. Immer nach vorne blicken, Radfahren war nicht optimal? Wunschzeit Sub 12 h in weite Ferne gerückt? Egal, mein neues Ziel lautet jetzt, den Marathon komplett durchzulaufen. Gehpausen will ich diesmal auf keinen Fall machen. Zumal ich nicht weiß, an welchen Stellen Katja sich positionieren wird. Im Vorfeld hat sie mich gewarnt: „Ich will dich nicht gehen sehen!“
Dynamisch (ja, wirklich!) laufe ich also aus der Wechselzone – komisch, nach dem Radfahren fühlt sich Laufen immer so langsam an, dass ich erst mal viel zu schnell unterwegs bin. Das Tempo werde ich nicht halten können, ich versuche also, Geschwindigkeit herauszunehmen, schließlich habe ich noch 42 km vor mir. Trotzdem bin ich auf den ersten Kilometern mit fast 5:00er Pace unterwegs – es läuft super, ich bin voll motiviert! Insgesamt läuft diese Disziplin wirklich gut, die Magenschmerzen sind kaum noch spürbar, und immer wieder steht mein Support-Team an der Strecke und sorgt für zusätzlichen Antrieb. Ab Kilometer 25 wird es noch einmal hart… Die Strecke zieht sich gefühlte Stundenlang hin, der Wendepunkt im Wald will und will einfach nicht kommen. Irgendwie hatte ich den viel früher in Erinnerung? Immer wieder ist die Versuchung groß, doch ein Stück zu gehen – aber nein, Katja könnte ja jeden Moment irgendwo stehen, das fällt also flach! Und tatsächlich, etwa 500 m vor dem Wendepunkt stehen Katja und Klaus gemeinsam mit Katjas Kindern Magdalena und Elias. Magdalena klinkt sich ein, und während sie, gerade einmal 8 Jahre alt, so ganz locker neben mir herläuft, frägt sie mich, ob das gerade anstrengend sei für mich, und erzählt mir, ihre Mama haben ja selbst schon so einige Ironman absolviert, und sogar gewonnen! – Lustig, denke ich mir, und bin früh über die Ablenkung, da kommt der Wechselpunkt und der nette Helfer 20 Meter vorher bittet Magdalena freundlich, kurz zu warten, sie können nicht mit hinter zum Wechselpunkt, „deine Mama kommt ja ohnehin gleich wieder zurück!“ – „Das ist doch nicht meine Mutter, meine Mama trainiert die nur!“ meint daraufhin Magdalena entrüstet. Während Magdalena also brav stehen bleibt, absolviere ich die nächsten Meter breit grinsend – der verdutzte Gesichtsausdruck des Helfers ist aber auch zu komisch gerade!

Die letzten Kilometer vergehen dann mit neuer Motivation fast wie im Flug, und glücklich laufe ich - diesmal laufe ich wirklich – in die Zielarena ein! Wahnsinn, ein Traum, wieder hier stehen zu dürfen, und nun bereits die zweite derartige Medaille in Empfang nehmen zu dürfen! Eine neue Bestzeit habe ich auf, aber fast noch stolzer bin ich darauf, dass ich beim Marathon keinen einzigen Meter gegangen bin! Danke, Coach Katja!

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